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vom 04.04.2018

Bluetooth 5 ist ein technischer Meilenstein

Von Klaus Wedekind

 

 

 

Immer mehr neue Smartphones und andere Geräte beherrschen Bluetooth 5. Damit sind sie Teil einer kleinen Revolution, die in den kommenden Jahren vieles in der Technik-Welt verändern wird. Denn der Unterschied zu Bluetooth 4.2 ist gewaltig.

Bisher wird es in den Testberichten meistens gar nicht oder nur am Rande erwähnt, ob ein neues Smartphone, ein neuer Lautsprecher oder ein anderes Gerät noch mit Bluetooth 4.2 oder 5.0 kompatibel ist. Eine große Rolle für den Nutzer-Alltag spielt das meistens auch noch nicht – aber das wird sich wahrscheinlich bald ändern. Denn die Unterschiede zwischen den beiden Versionen sind viel größer als es die Zahlen vermuten lassen.

 

Größere Distanzen kein Problem mehr

Obwohl die Verbindungen mit Bluetooth 5 immer noch wenig Energie benötigen (Low Energie = LE), wird mit dem neuen Standard die Reichweite vervierfacht. Ohne Hindernisse zwischen Sender und Empfänger sind so Verbindungen von bis zu 200 Metern möglich. In Wohnungen mit vielen Wänden sind wahrscheinlich eher 40 bis 60 Meter realistisch.

Bei größerem Energieeinsatz können die genannten Distanzen auch mit älteren Standards überbrückt werden. Für viele Anwendungsgebiete ist aber gerade der geringe Stromverbrauch eine essenzielle Voraussetzung. Beispielsweise würde kleinen Geräten mit kleinen Akkus sonst viel zu schnell die Puste ausgehen. Das ist vor allem problematisch im „Internet der Dinge“ beziehungsweise im vernetzten Heim. Bluetooth 5 kann hier WLAN den Rang ablaufen, indem es Thermostat, Rauchmelder, Beleuchtung und viele andere Geräte auch über größere Distanzen effizient vernetzt. Die SIG schätzt, dass es bis 2020 weltweit mehr als 48 Milliarden smarte Geräte geben wird.

 

Flaschenhals erweitert

Die geringe Reichweite ist nur ein Mangel, der die Möglichkeiten des bisherigen Bluetooth LE einschränkt, auch seine Übertragungskapazität ist für zahlreiche Anwendungsgebiete zu gering.  Mit dem neuen Standard ist das Geschichte, denn die Kapazität wächst um satte 800 Prozent, wodurch sich mehr Daten in einem Paket versenden lassen (279 statt bisher 31 Byte). Das hat einen großen Vorteil für sogenannte Beacons, kleine Bluetooth-LE-Sender, die Besucher beispielsweise in Geschäften, Sehenswürdigkeiten oder in Museen mit Infos versorgen, wenn sich ein (Smartphone-)Empfänger in ihrem Sendebereich befindet. Bisher genügen die übermittelten Daten im Prinzip nur, um Apps zu aktivieren, die dann ortsspezifische Informationen zur Verfügung stellen. Mit Bluetooth 5 können sie mit größerer Reichweite beispielsweise selbst URLs oder kurze Texte verschicken. Hier schätzt die SIG, dass 2021 bereits 565 Millionen Beacons verkauft werden – 130 Prozent mehr als 2016.

Neben der Heimvernetzung spielen Beacons und Bluetooth 5 in der Industrie eine große Rolle. Die SIG nennt als Beispiel Fertigungs- und IT-Leiter, die Bewegungsmuster von Mitarbeitern erstellen, um die Produktion zu optimieren. Über ein Netz aus Beacons und damit verbundenen mobilen Geräten ließe sich unter anderem sicherstellen, dass die richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit mit den richtigen Werkzeugen bereitstehen.

 

Speed oder Reichweite

Mit Bluetooth 5 verdoppelt sich die mögliche Übertragungsgeschwindigkeit auf 2 Megabit pro Sekunde – ebenfalls ohne den Energieverbrauch zu erhöhen. Doch das ist nur möglich, wenn gleichzeitig auf die größere Reichweite verzichtet wird – wächst die Distanz bei schnellen Übertragungen, wird auch mehr Strom verbraucht. Entwickler müssen sich daher entscheiden, worauf sie ihren Fokus legen. Die SIG vermutet, dass die vierfache Reichweite mehr Möglichkeiten eröffnet.

 

Für Kopfhörer kein Muss

Für die Musikwiedergabe spielt Bluetooth 5.0 laut dem Berliner Hersteller Teufel kaum eine Rolle. Denn LE-Übertragungen sparten Energie durch Sendezyklen mit Ruhepausen, schreibt er auf einer Info-Seite. Musik benötige aber einen kontinuierlichen Datenfluss. Außerdem sind die Datenmengen für hochwertigen Klang zu groß für Bluetooth LE. Probleme mit anderen Standards wird es aber nicht geben – Bluetooth 5 ist abwärtskompatibel.

 

Quelle: n-tv.de